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Alles aus dem Fluss – Süßwasserfische
Märchen und Mythen sprechen eine beredte Sprache, wenn es um die Charakterisierung der stummen Fische geht. Auf diese Weise drückten die Menschen jene Faszination aus, die der schillernde Fluss- und Teichbewohner seit jeher auf sie ausübt.
Spießer und Schelme
Trotz des edlen, exquisiten Fleisches ist der Zander so etwas wie der Spießer unter seinen Artgenossen: Sein Charakter ist doch recht unscheinbar. Vielleicht kommt er in der Literatur aber auch nur deshalb kaum vor, weil er in weiten Teilen Europas erst spät bekannt wurde. Kollege Barsch hingegen stiftet schon allein mit seinem Namen Verwirrung, werden doch sowohl einige See- als auch etliche Süßwasserfische, die nicht im geringsten miteinander verwandt sind, gleichermaßen als Barsche bezeichnet. Zu den Süßwasserbarschen zählen sechs Arten mit so schönen Namen wie Sonnenbarsch oder Wolfsbarsch. Den europäischen Flussbarsch findet man ungeachtet seiner Bezeichnung fast überall auf der Welt – klein und klug wie er ist, frech und neugierig, ja listig bis hinterlistig. In Sagen und Märchen tritt er als raffinierter Schelm auf, der selbst stärkere Gegner an der Nase herumführt.
Das hübsche Orakel
Wenngleich man man zwischen Gold- und Silber-, Schwarz- und Stein-, Wald- und den Regenbogenforellen mit ihrem rubinroten Streifen an den Flanken unterscheidet, ist dieser Unterschied biologisch doch unwesentlich – denn die Färbung wechselt mit der Umgebung. Das gleiche gilt für Bachforelle und Fluss- oder Teichforelle, wächst die Bachforelle bei reichlich Futter und in tieferem Wasser doch ohne weiteres zur Teichforelle aus. Eine Menge Aberglaube wurde auf diese hübschen Tiere einst projiziert. Ihre Paarung galt als Wetterorakel: Fand sie früh statt, gab es einen frühen und strengen Winter, aber auch einen fruchtbaren Frühling – und umgekehrt –, paarten sie sich am Ufersand, wurde der Winter mild. Springende Forellen kündigten Gewitter an.
Ein toller Hecht
Seine Tarnfarbe verleiht ihm optimalen Schutz, wenn er der ahnungslosen Beute zwischen Wasserpflanzen auflauert. Mit seinen erhabenen, fast periskopartigen Augen erkennt er seine Opfer bei Tageslicht auf eine Entfernung von fast zwanzig Metern, und sobald sie in Reichweite sind, schießt er los wie ein Torpedo: der Hecht. Der wohl beliebteste Angelfisch in Nordamerika und Europa ist nichtsdestoweniger ein Bösewicht par excellence – eben der sprichwörtliche „tolle Hecht“. Aggressiv und herrschsüchtig, gewalttätig und gefräßig, beschert er den Petrijüngern reichlich Stoff für Anglerlatein: reißende Schnüre, brechende Ruten, und beim Ausnehmen des gierigen Ganoven sollen gar Flusskrebse, Entchen und Wasserratten zum Vorschein gekommen sein.