Herrmannsdorfer Landwerkstätten
Vor fast 20 Jahren erfüllte sich der ehemalige Wurstfabrikant Karl Ludwig Schweisfurth einen Traum: die Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn. Dieses ökologische Idyll inmitten der oberbayerischen Voralpenlandschaft, 30 Kilometer südöstlich von München, zeigt, wie Lebensmittel auch produziert werden können.
Ökologisches Mustergut
Auf den ersten Blick sehen die Herrmannsdorfer Landwerkstätten aus wie viele größere ältere Gutsbetriebe in Bayern, mit einem stattlichen Wohnhaus, riesigen Ställen und zahlreichen Nebengebäuden. Doch beim Bummel über das Gelände bekommt man schnell das Gefühl, dass etwas anders ist. Schwarz-rosa Schweine rekeln sich vor dem Stall in der Sonne, aus dem Brauhaus weht ein sanfter Hopfengeruch über den Platz, und in der Ferne hört man das Gegacker von Hühnern. Als Karl Ludwig Schweisfurth, der Wurstindustrielle („Herta“), das Anwesen 1986 kaufte, war es ein traditioneller landwirtschaftlicher Betrieb. Heute ist es ein ökologisches Mustergut, das gänzlich auf den Einsatz von Chemie verzichtet. Mit glücklichen Tieren, gesundem Obst und Gemüse, einer Brauerei mit Biergarten, einem Gasthaus, einer Metzgerei, einer Bäckerei und einer Rohmilch-Käserei. Rund 120 Menschen, Erwachsene und Kinder, leben hier im Einklang mit der Natur und der Region. Tagtäglich zeigen sie den jährlich rund 15000 Besuchern, dass ökologischer Landbau wirtschaftlich ist und die mit handwerklicher Sorgfalt produzierten Lebensmittel richtig gut schmecken.
Seid achtsam!
In einer Biogasanlage entsteht aus organischem Abfall Energie, und die bei der Käseherstellung anfallende Molke wird an die Schweine verfüttert. Auf den Feldern rund um die Herrmannsdorfer Landwerkstätten werden auf etwa 2,5 Hektar Freiland und in einigen Folienhäusern Obst, Gemüse und Kräuter angebaut, die zum Teil auf dem Hof verkauft bzw. im eigenen Gasthof verarbeitet, aber auch in zwölf eigenen Ladengeschäften in und um München angeboten werden. Achtsamkeit ist eines derjenigen Schlüsselwörter, denen man in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten immer wieder begegnet. Achtung vor dem Leben und vor der Natur, Achtung vor den Menschen, Tieren und Pflanzen, dem Wasser und dem Boden. Artgerechte Tierhaltung bedeutet, eine Balance zu finden zwischen der Nutzung des Lebens und der gleichzeitigen Achtung davor. Sie orientiert sich daran, was wir den Tieren, von denen wir leben, schuldig sind. Was damit gemeint ist, erkennt man an den schwäbisch-hallischen Schweinen. Sie toben auf der Wiese herum, suhlen sich im Schlamm oder ruhen sich im Stroh aus. Der Weg zum hofeigenen Metzger ist kurz. Die Tiere kennen weder Stress noch Panik, und das merkt man dem Fleisch an. Ebenso gut haben es auch die Pinzgauer Ochsen. In der Jugend wird nur wenig zugefüttert, sind sie doch die meiste Zeit auf der Weide. Erst später bekommen sie auch Ackerbohnen, Mais und Getreide zu fressen. Auf diese Weise erhält das Fleisch eine schöne Marmorierung und wird besonders schmackhaft.
Moderne Landwirtschaft
In den Herrmannsdorfer Landwerkstätten wird keine Museumskultur betrieben, sondern moderne Landwirtschaft. Neben dem Stall von Kälberzüchter Anton Daxenbichler steht ein Computer. Jeden Tag dürfen die Kühe zusammen mit den Bullen raus in die freie Natur. So erreichen sie ein hohes Alter. Im Laufe ihres Lebens bekommen sie etwa fünf Kälber (mehr als im Landesdurchschnitt), die auch nicht mit Milchersatz, wie sonst üblich, sondern mit Muttermilch großgezogen werden. Und auch das merkt man dem Fleisch an. Die größte „Belegschaft“, die rund 5000 Legehennen und 3000 bis 4000 Masthähnchen, haben es ebenso gut. Für sie gibt es auf der Wiese mobile Ställe, in denen jedes Tier sein eigenes Nest hat. Das Eigelb ist etwas blasser als das von Hühnern aus Legebatterien, wo das Futter Farbstoff enthält, aber dafür schmeckt es viel besser. Der Grund: Die Tiere erhalten ausschließlich Mais, Hafer und Weizen sowie Sonnenblumenkuchen, Erbsen und Grünmehl.
Kunst ist für Karl Ludwig Schweisfurth ein Mittel, das Schöne und das Zweckmäßige miteinander zu verbinden. In den Herrmannsdorfer Landwerkstätten, selbst ein Gesamtkunstwerk, spielt sie eine wichtige Rolle, bildet neben der Ökologie, dem Handwerk und der Regionalität die vierte Säule dieses zukunftsweisenden Konzepts. Der Besuch dort ist stets ein Gewinn.
Herrmannsdorfer Landwerkstätten, 85625 Glonn, Tel. 08093/9094-0, www.herrmannsdorfer.de