
Foto: Markus Kirchgessner
Lissabon – Stadt der vielen Gesichter
Das britische Kultmagazin Wallpaper hat Lissabon unlängst in seine „Glamour Map“ aufgenommen – für die Lissabonner eine Selbstverständlichkeit.
Lissabon, die Unvergleichliche, hat viele schöne Viertel, die um die Gunst der Besucher und Einheimischen buhlen. Da sind zum einen das sehr traditionelle, aber herausgeputzte Campolide mit seinen breiten Avenidas und prächtigen Jugendstilfassaden und seine jüngere Schwester, die modern gestylte Olivais mit ihrer extravaganten Expo-Architektur. Der flippig-freakige Bairro Alto hat zwei Gesichter, eins für den Tag und eins für die Nacht. Chiado und Baixa locken mit schicken Shoppingcentern, wohingegen sich die Alfama geheimnisvoll und verschlossen gibt. Kaum glaubt man eines der Viertel zu kennen, versteckt es sich hinter einem Schleier von Wehmut oder betritt in blendendem Scheinwerferlicht eine Bühne, die es vorher wie der Teufel das Weihwasser gemieden hat. Manche erwachen früh, geben sich geschäftig und modern, andere fangen erst an zu leben, wenn die Straßenlampen und Neonreklamen wie tausend Sonnen leuchten.
So verschieden Lissabons Stadtteile auch sind, sie sind echt – ob laut und neu gebaut oder seit Jahrhunderten still gewachsen. So echt wie die Menschen, die in ihnen leben, ob Zugezogene oder Einheimische. Es ist eine eigentümliche Mischung aus Gelassenheit, Melancholie und südeuropäischem Temperament, Traditionalismus, Weltoffenheit und beinahe schon zwanghafter Modernität, die Lissabon heute auszeichnet und so lebendig macht. Das zeigt sich in Kunst, Design und Architektur, aber vor allem beim Essen und Trinken: Bars verändern monatlich ihr Gesicht und ihren Charakter, während an einfachen Tapas-Kneipen seit Jahrzehnten die Zeit vorübergegangen zu sein scheint. Manche Restaurants haben seit 20 Jahren ihre Speisekarten nicht geändert, hippe In-Lokale lassen sich jeden Tag etwas Neues einfallen. Allein diese Abwechslungen lohnen einen Besuch der Schönen an Atlantik und Tejo.
Essen und Trinken scheinen die Lieblingsbeschäftigungen der Lissabonner zu sein. Schon früh am Morgen locken unzählige Cafés und Pâtisserien mit duftenden bolos (Gebäck) und pastéis (Pasteten), mit bica (Espresso) und galão (Milchkaffee). Unzählig sind die Fischgerichte der Hafenstadt, von den eingelegten Sardinen, Tunfischen und Muscheln bis hin zum allgegenwärtigen bacalhau (Stockfisch), für den es in ganz Portugal mehr als tausend Rezepte gibt: Der fiel amigo (treue Freund) wird gebraten, gekocht, gebacken, gedünstet, zerhackt oder am Stück zubereitet.
Bevor man abends – für deutsche Verhältnisse sehr spät abends – ins Restaurant geht, besucht man in der Regel eine kleine Bar, um ein Glas Portwein oder einen ginginha (Schnaps mit eingelegten Kirschen) zu trinken – und natürlich ein paar Tapas zu essen. Das Angebot ist schier unerschöpflich und reicht vom einfachen Serrano-Schinken, mariniertem Gemüse und mit Speck umwickelten Datteln bis hin zu Wildgulasch, gegrillten Sardinen oder Hähnchenschenkeln.
Gut gestärkt, widmet man sich danach dem eigentlichen Abendessen: höllisch scharfe sopa Alentejana (Knoblauchsuppe), peixe fritado (gegrillter Fisch), cozido a portuguesa (gekochtes Rindfleisch), frango na pucara (Hühnchen im Tontopf mit Erbsen, Kartoffeln, Zwiebeln, Räucherspeck, Pilzen, Rosinen, Rotwein und – wie bei fast allen Gerichten – Knoblauch) oder letião assado (gebratenes Spanferkel) zum Beispiel. Nach dem ausgiebigen Mahl und weit nach Mitternacht geht es auf einen Absacker (Rum oder Portwein) in eine schummrige tasca (Kneipe), wo Einheimische bei Kerzen- oder Neonlicht melancholischen Fado singen. So lässt es sich trefflich leben ...
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Essen & Trinken in Lissabon
Die Vorwahl für Lissabon von Deutschland aus lautet: 00351
Origens Bio – Café & Restaurante Biológico, Alameda dos Oceanos, Lote 1.02.1. 2A, Loja 1 (im Parque des Naçôes, links neben dem Casino), Tel. 218 94 61 66, So geschlossen. Helles, modern gestaltetes Lokal auf dem ehemaligen Expo-Gelände, das für seine neue portugiesische Küche ausschließlich kontrollierte biologische Produkte verwendet; Spezialität: Rind.
Bica do Sapato – Restaurante – Esplanada – Cafetaria – Sushi Bar, Av. Infante D. Henrique, Armazém B, Cais da Pedra, Santa Apolónia, Tel. 218 81 03 20. Auf halber Strecke zwischen Innenstadt und Expo-Gelände gelegenes, trendiges Restaurant, bietet mit die beste „Nouvelle Cuisine“ der Stadt. Hollywood-Star John Malkovich ist Mitbesitzer des Lokals und des benachbarten Nachtclubs „Lux“.
Restaurante Eleven, Rua Marquês de Fronteira / Jardim Amália Rodrigues, Tel. 213 86 22 11, www.restauranteleven.com. Mitten im Park Amália Rodrigues gelegenes, sehr modernes Restaurant von Joachim Koerper, der als Erster in Lissabon einen Michelin-Stern erhielt. Geboten wird „leichte Mittelmeerküche mit höchster Raffinesse“ und ein phantastischer Blick über Lissabon. Unbedingt vorher reservieren!
Panificação Reunida San Roque – Padarias e pastelarias, Rua Dom Pedro V 57, Bairro Alto, Tel. 213 22 43 56, Mo–Sa 6–19 Uhr. Traditionelle Bäckerei & Café mit säulenumrahmter Jugendstil-Marmortheke und sehr leckeren Backwaren.
Café a Brasileira, Rua Garrett 120, Tel. 4 46 95 41, tägl. 8–2 Uhr. Das Lieblingscafé des portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa ist eine Touristenattraktion, in der auch Lissabonner ihren Café am Tresen nehmen, wo er übrigens nur 1,60 Euro kostet.
Antiga Confeitaria Pastéis de Belém, Rua do Belém 84–92, Tel. 213 63 74 23, www.pasteisdebelem.pt, tägl. Nov.–Apr.: Mo–Sa 8–23 Uhr, So 8–22 Uhr; Mai–Okt.: tägl. 8–24 Uhr. In der weltberühmten Konditorei werden seit 1837 die Pastéis de Belém gebacken, kleine, mit Sahne und Vanillepudding gefüllte Blätterteigtörtchen. Dazu die selbstgemachte Limonada trinken! Der Verkaufsraum ist bis zur Decke mit Azulejos gefliest. Je weiter man in die verwinkelten Hinterzimmer geht, desto kühler ist es auch bei 35° C Außentemperatur.
Conserveira de Lisboa, Rua dos Bacalhoeiros 34, Tel. 218 87 10 58, Mo–Fr 9–19 Uhr, Sa 9.30–13 Uhr. Verkaufsladen der ältesten Fischkonserven-Fabrik Portugals: Sardinen und Tunfisch in Olivenöl oder Zitronensaft und mit Gewürzen.
Garrafeira Nacional – Wine & Spirits Shop, Rua de Santa Justa 18–24, Tel. 218 87 90 04, www.garrafeiranacional.com, Mo–Fr 9.30–19.30 Uhr, Sa 9–13 Uhr. Den Laden mit einer riesigen Portwein-Auswahl (der älteste von 1817 für 1450 Euro) gibt es seit 1820.
Chafariz do Vinho – Enoteca – Vinhacopo, Chafariz da Mãe d’Agua à Praça da Alegria, Rua da Mãe d’Agua, Tel. 213 42 20 79, www.chafarizdovinho.com, Mo geschlossen. Sensationelle Tapas-Bar mit breitem Angebot offener portugiesischer Weine in einer ehemaligen Wasserentnahmestelle des Aquädukts von Lissabon.
Restô – Restaurante – Tapas Bar – Esplanada, Rua Costa do Casrelo 7, Tel. 218 86 73 34, Tapas Bar + Esplanada: 19.30–2 Uhr, Restaurant: 12–15, 19.30–24 Uhr. Hof-Grill-Restaurant im Bairro Alto. Von den Balkonplätzen hat man einen wundervollen Blick über Lissabon.