
Foto: FVA Marokko
Marrakesch
Marokkos „Perle des Südens“ bezaubert alle Sinne. Unser Ausflug führt zu den köstlichsten aller kulinarischen Genüsse.
Marrakesch verleitet zum Schwärmen. Sogar der steife Brite haucht ein verträumtes „magic indeed“, als er von der Dachterrasse auf den Djamaa el-Fna blickt. Auf dem „Platz der Geköpften“ wabert im goldenen Licht der tiefstehenden Sonne ein Menschenmeer, formt sich zu konzentrischen Kreisen um Märchenerzähler, Gaukler und Quacksalber. Kaum ist der Feuerball versunken, rücken Garküchen in den Mittelpunkt des Interesses. Köche und Helfer agieren wie Komparsen in einer Operette: Sie drehen Spieße auf dem Grill, rühren Suppe in Riesentöpfen und breiten die Arme aus, wenn potenzielle Gäste an ihnen vorbeischlendern.
Über allem schwebt in zartrosa Rauchschwaden der köstliche Duft von gebratenem Fleisch. Der Djamaa el-Fna, so heißt es, sei der größte tägliche „Fressmarkt“ der Welt unter freiem Himmel. Überbleibsel einer uralten Tradition von Wüstenvölkern: Essen und Trinken in der Gemeinschaft. Im Sinne der sprichwörtlichen Gastfreundschaft der Araber sollen die Speisen dabei reichlich und wohlschmeckend sein.
Die marokkanische Küche hat es in dieser Hinsicht leicht, denn das Land ist mit einer überaus vielfältigen Vegetation gesegnet. Unter reichlich Sonne gedeihen Zitrusfrüchte, Feigen, Quitten und Wein, Oliven, Nüsse und Melonen. Dazu allerlei Gemüsesorten, Kräuter und Gewürze. Aus dem Atlantik stammen viele Arten Fisch und Krustentiere. Dank gut ausgebauter Straßen und moderner Kühlsysteme darf man auch im 300 Kilometer von der Küste entfernten Marrakesch erwarten, dass Seafood in Restaurants tagesfrisch aufgetischt wird.
Im Hype, den die rosarote Stadt in den letzten Jahren erfahren hat, eröffneten zahlreiche Restaurants. Einige sind dank der beständigen Qualität ihrer Küche und der Kreativität ihrer Chefs auf Dauer erfolgreich. Wenn es um marokkanische Spezialitäten geht, steht ein Name obenan: „Al Fassia“ im Stadtteil Guéliz, eines der wenigen traditionellen Lokale, die Speisen à la carte offerieren anstelle eines einzigen opulenten (und reichlich magenschweren) Fünf-Gänge-Menüs. Der Hit des Hauses ist Mechoui, im Lehmofen langsam gegarte Lammkeule. Diese allerdings muss man vorbestellen.
Weil Essengehen für Marrakeschs Jetset auch mit sehen und gesehen werden zu tun hat, sollte, wer dabei sein möchte und laute Musik beim Dinner ertragen kann, „Bo-Zin“ erst am späten Abend oder am Wochenende aufsuchen. „Asia meets North Africa“ ist Thema der Speisenkarte, weswegen bei einer „Gemischten Auswahl von Hauptgerichten“ unter anderem rotes Thai-Curry mit Garnelen und Lobster-Tajine auf den Tisch kommen.
Sehr chic im kolonialen Art-déco-Ambiente sitzt man im „Crystal“, untergebracht im festungsartigen Komplex des „Pacha“. Die Zwillinge Jacques und Laurent Pourcel mit Drei-Sterne-Restaurant in Montpellier sind für seine mediterrane Küche verantwortlich. Diese kostet reichlich, aber die Qualität ist formidabel. Ein ruhiges Plätzchen in der turbulenten Medina ist die „Terrasse des Epices“. Saftig-zarte Grilladen von Fleisch und Fisch, obendrüber der Sternenhimmel – das ist einmalig in der Altstadt.
Ein kleines kulinarisches Abenteuer zu Mittag gefällig? Am Djamaa el-Fna, links neben dem „Salon de Thé“, geht es zu einem winzigen Platz. Auf einer Seite türmen sich duftende Bündel Minze, Eisenkraut, Petersilie, Thymian und mehr, daneben Gläser mit eingelegtem Gemüse. Auf der anderen hängen Amphoren aus Ton. Eine Nacht lang ruhten sie in Ascheglut, bevor Tandschia, ein Arme-Leute-Gericht aus Lammfleisch, eingelegten Zitronen, Ingwer und Safran, zum Verkauf angeboten wird. Man verzehrt es mit frisch gebackenen Brotfladen gleich vor Ort.
Aus dem offenen Laden daneben duftet es unwiderstehlich. Kräftige Männer ziehen gebratene Hammelhälften aus dem Ofen. Das ist original Mechoui. Der Verkäufer fischt gern die besten Stücke heraus und zerteilt sie mundgerecht. In Papier gewickelt, isst man sie mit großem Genuss aus der Hand. Wem dies dann doch ein wenig zu deftig ist, kann das Spektakel in authentischer Atmosphäre zumindest als Zuschauer genießen.
Text: Kiki Baron
Where To Go
La Mamounia, Avenue Bab Jdid, Tel. +212/524/38 86 00, www.mamounia.com/
Dar Les Cigognes, Rue de Berima, Tel. +212/524/38 27 40, www.lescigognes.com/
Ferme d’Hôte Akrich, Douar Akrich, Tel. +212/661/32 81 49, www.akrich.com/
Al Fassia, 55 Boulevard Zerktouni, Guéliz, Tel. +212/524/43 40 60, www.alfassia.com/
Bo-Zin, Douar Lahna, Route de l’Ourika 3,5 km, Tel. +212/524/38 80 12, www.bo-zin.com/
Crystal, Boulevard Mohammed VI, Tel. +212/524/388400, www.pachamarrakech.com/
Terrasse des Epices, 15 Souk Cherifia, Sidi Abdelaziz, Tel. +212/524/37 59 04, www.terrassedesepices.com/
Grand Café de la Poste, Boulevard el-Mansour Eddahbi/Avenue Imam Malik, Tel. +212/524/43 30 38, www.grandcafedelaposte.com/
Pacha, Boulevard Mohammed VI, Tel. +212/524/38 84 00, www.pachamarrakech.com/