Tutti frutti – Früchteküche
Seit Eva an der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis naschte, sind wir alle sterblich. Machen wir das Beste daraus!
Das riesige Angebot an „tutti frutti“ aus aller Welt hätte sich in Deutschland noch vor einer Generation niemand vorstellen können. Gewiss, es gab rote, gelbe und grüne Äpfel, harte und weiche Birnen, Kirschen körbeweise und all die heimischen Beeren aus Feld, Wald und Garten. Die Äpfel wurden bis zum Frühjahr sorgfältig im Keller gelagert, die Beeren im Sommer in rauen Mengen eingeweckt und Pflaumenmus lag schwer auf dem täglich Frühstücksbrot. Jedes Obst hatte seine Saison. Zu Weihnachten gab es Orangen und Mandarinen aus Spanien, Feigen aus Syrien und klebrige Datteln aus Marokko.
(Fast) alles zu (fast) jeder Zeit
Erst seit den 60er Jahren haben Fruchtzwerge und -riesen aus den einstigen Kolonien die Märkte Europas erobert: Bananen, Zitrusfrüchte und Ananas, dann Kiwi und Papaya und, und, und. Die Nachfrage der Deutschen stieg proportional zu ihrer Reiselust - eine Mango in der kalten Heimat erinnert an den letzten Urlaub unter Palmen. Wer will, bekommt heute seine Erdbeeren auch im Januar – im Delikatessengeschäft, eingeflogen aus Mexiko.
Technische Fortschritte in den Anbau-, Transport- und Kühlmethoden haben diese rasante Entwicklung ermöglicht. Die Fitnesswelle brachte Millionen auf den Geschmack an den kalorienarmen Vitaminbomben. Dabei spielen einheimische Produkte zunehmend eine Nebenrolle. Nicht zuletzt, weil Neuzüchtungen, die immer so robust und makellos aussehen, nur noch selten halten, was sie versprechen. Deshalb lohnt auch die Suche nach alten Apfelsorten, die von klugen Züchtern gerade wieder entdeckt werden, nach kleinen Brombeeren und Weinberg-Pfirsichen. Obst aus eigenen Landen sollte man besser nicht im Supermarkt kaufen, wo es vielleicht schon länger im Kühlraum gelagert hat, sondern lieber auf dem Wochenmarkt oder direkt beim Erzeuger. Und dann am besten gleich frisch zubereiten! Süße Kirschen faulen schnell – und der Kühlschrank killt das Aroma einer jeden Erdbeere.
Den richtigen Zeitpunkt abpassen
Nie sollte man nach Größe und Schönheit auswählen – schöne Früchte können unreif, zu große oft wässrig sein. Das Aroma hängt vom Reifegrad ab. Und Reife ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der auch nach der Ernte weitergeht. Tropische Früchte sind in Topform, wenn sie fast schon überreif sind: Bananen haben dann einige bräunliche Punkte auf der Schale, grüne Limetten gelbe Flecken. Ananas und Mangos verströmen betörende Düfte. Nachreifen daheim ist kein Problem. Ananas, Papaya und Avocado lieben Zimmertemperatur, Kiwis mögen es etwas kühler.